Imagine This

Imagine This – Bilder Warschau

Imagine This

2016

Künstlerischer Gesamtleiter und Regisseurin besuchen originale Spielstätte des diesjährigen Bühnenprojekts – Eine bewegende Reise in die Vergangenheit

Was gibt es außerhalb der gängigen Literatur über den Holocaust und die Menschen der Zeit zu erfahren? Wie können wir uns die Gegebenheiten im Warschauer Ghetto vorstellen? Hat ein Konzentrationslager auch heute noch eine bedrohliche Wirkung?

Mit diesen Fragen reisten Ingo Budweg und Canan Toksoy (künstlerischer Gesamtleiter und Regisseurin des FME) im April 2016 nach Warschau, um die originalen Spielstätten des diesjährigen Bühnenprojekts „Imagine This“ zu besichtigen. Darüber hinaus diente die Reise dazu, sich intensiv mit der Materie des Stücks auseinanderzusetzen, die Thematik in ihrer gesamten Komplexität zu begreifen und die historischen Hintergründe zu recherchieren. „Eine ebenso wichtige wie herausfordernde Aufgabe, die es uns ermöglichen soll, das diesjähriges Stück besonders authentisch zu inszenieren“, erklärt Ingo Budweg, der sich schon sehr lange mit dieser immer wieder bewegenden Thematik beschäftigt und weiß, dass Realerfahrungen nicht gleichzusetzen sind mit Gelesenem oder Bildern in Büchern und Filmen.

Das Duo besuchte das heute noch verbliebene Warschauer Ghetto und das Polin Museum (Museum der Geschichte der polnischen Juden) in Warschau, sowie das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

„In Warschau standen wir zunächst vor dem eindrucksvollen Denkmal, das an die Helden des Warschauer Ghettos erinnern soll und an dem auch der berühmte Kniefall von Willy Brandt stattfand. Der Anblick ließ uns eine Zeit lang demütig innehalten“, erinnert sich Canan Toksoy. „Den Verlauf der damaligen Ghetto-Mauer kann man heute noch gut anhand von Markierungen auf der Straße nachvollziehen; manche Mauerteile von 1942 stehen sogar noch. Auch zahlreiche Gebäude der Prozna Straße (ehemalige Straße durch das Warschauer Ghetto, Anm. d. Red.) sind noch im Original erhalten. Einige Häuser sind restauriert und modernisiert worden und werden mittlerweile wieder bewohnt. Manche Häuser aber – gerade in den Hinterhöfen – befinden sich noch immer in demselben Zustand wie zur damaligen Ghettozeit. Die Gebäude sind baufällig, geradezu verwahrlost, die Fenster zerstört, und teilweise erkennt man tatsächlich noch Einschusslöcher in den Hauswänden“, so Toksoy weiter. „Wir können nur erahnen, welche Nöte und Ängste die Menschen dort durchgestanden haben.“

„Besonders eindrucksvoll war auch unser Besuch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau“, schildert Ingo Budweg bewegt. „Der Tag war grau und verregnet, wirkte düster und schaffte eine über die Maßen bedrückende Atmosphäre. Der Gang durch die Anlagen und über das Gelände war beklemmend, fast ein wenig unheimlich, und erschien uns geradezu surreal“, so Budweg. Dennoch haben beide das Lager als einen sehr lebensbejahenden Ort empfunden, an dem die Menschen bis zu ihrem letzten Atemzug gekämpft und gehofft haben.

Die bewegenden Eindrücke und die emotionalen Erfahrungen aus Warschau werden Ingo Budweg und Canan Toksoy nun in ihre Inszenierung einfließen lassen, um sie an das Ensemble und später auch an das Publikum weiterzutransportieren. Ein besonderes Anliegen des diesjährigen Projekts besteht jedoch auch darin, an die schrecklichen, unmenschlichen Taten jener Zeit zu erinnern, der vielen, unschuldig zu Tode gekommenen Menschen zu gedenken, und zu mahnen, dass diese Taten nie wieder geschehen dürfen.

Bildergalerie

Imagine This – Bilder Aufführungen

Imagine This

2016

Schauen Sie sich unseren Trailer an.

Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle Stephan Drewianka (www.musical-world.de) und Christian Dabringhaus für die wunderschönen Fotos von unserer Aufführung.

Bildergalerie

Imagine This – Zuschauerstimmen

Imagine This

2016

Zuschauerstimmen

Volker Poeche aus Greven
schrieb am 31.10.2016:

Liebes FME,

ich muss vorausschicken, dass wir 2013 das große Glück hatten, als leibliche Eltern des Tiny Tim (im richtigen Leben namens Henri) in Scrooge euch als Team über Wochen näher miterleben zu dürfen. Weil wir aus der Zeit viele positive Erinnerungen an eure Arbeit mitgenommen und natürlich nicht vergessen haben, waren wir auch gestern Abend bei eurer neuen Inszenierung von „Imagine This“. 

Das gestern Gesehene und Erlebte in Worte zu fassen, gelingt uns einfach nicht. Dafür ist das Thema zu komplex und von euch (positiv gemeint!) sehr ernsthaft aufgearbeitet. 

Was uns am meisten beeindruckt, ist euer Mut und eure Kraft: Ihr lebt als rein ehrenamtlich engagierte Laien davon, dass ihr eure persönliche Begeisterung für Musik, Gesang, Schauspielerei, Tanz, Bühnenbild, Kostüme, Bühnentechnik etc. zu einem Gesamtwerk orchestriert. Keiner verdient damit Geld. Das einzige was ihr zurückbekommen könnt, ist das Lächeln, die Begeisterung, die Bewunderung, die Zuneigung von Zuschauern, die ihr mit eurem Wirken in 2-3 Stunden Live-Vorführung verzaubert habt. Und dass ihr das könnt, habt ihr in den letzten Jahren zig-mal mit dafür gut geeigneten Themen bewiesen, … und euch genau damit jeweils wieder selber motiviert, im folgenden Jahr weiter zu machen. 

Und jetzt geht ihr in diesem Jahr einen mutigen Schritt in eine ganz andere Richtung: Komplexes/provozierendes Thema, schwer verdaulicher historischer Hintergrund, und das in einer Zeit, wo leider merkliche Teile der deutschen Bevölkerung ihren „europäischen Patriotismus“ öffentlich wirksam demonstrieren und Erinnerungen an eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte in dem Kontext meist nicht sehr willkommen sind. Allein die Auswahl dieses Themas ist schlicht und einfach kein Nährboden, um Anerkennung/Bewunderung/Beschwingtheit/Zuneigung etc. zu ernten, genau das Brot, für das ihr euch (auch) engagiert.

Auch die Vorstellung, dass ihr euch in allen Proben inkl. Durchlauf- und Generalprobe diesem Thema über Stunden stellen musstet, mit allen düsteren Bestandteilen, die ihr in der Inszenierung verwendet, lässt uns als Außenstehende zumindest erahnen, dass dabei niemals der Spaß im Vordergrund gestanden haben kann. Im Gegenteil, ihr seid sicher in Teilen auch an eure persönlichen Grenzen gegangen.

Für diese Gesamtleistung möchten wir dem ganzen Team gegenüber unsere tiefe Hochachtung zum Ausdruck bringen! Genau solch mutige Gesamtwerke braucht unsere Gesellschaft (auch)!

@Zukünftige/potenzielle Zuschauer: 

==================================

Nein, der Besuch einer Aufführung „Imagine This“ ist auch für den Zuschauer kein ganz einfacher Abend. Man sitzt netto gute 3h kerzengerade, gefesselt und angespannt auf seinem Stuhl. Entspannende Momente unterstützt durch ein Lächeln, leicht-perlende Musik und eine harmonische Bühnensituation sind vorhanden, aber selten. „Unbequeme“ Szenen überwiegen, aber immer verursacht durch das Thema. Alle Akteure auf, vor und hinter der Bühne wirken/agieren immer mit vollem Engagement und für Laien (bitte niemals vergessen!) konstant auf einem sehr hohen Niveau. 

Dadurch hat es das Gesamtteam geschafft, meiner Frau und mir einen trotz des Themas wirklich sehr schönen und natürlich unvergesslichen Abend zu bereiten. Danke dafür!

Daher von unserer Seite ein klarer Appell an alle noch Unentschlossenen: Nutzt die einmalige Chance, schaut euch „Imagine This“ an. Es bedeutet auch Auseinandersetzung mit dem Stück und Thema, aber genau das ist der Reiz. Und die Umsetzung durch das Gesamtteam fesselt den Zuschauer, in ganz vielen Facetten. 

Volker und Moni Poeche

Kirsten Bücker aus Münster
schrieb am 31.10.2016:

Liebes Ensemble, wir freuen uns seit Jahren auf Eure Aufführungen, und dieses Jahr waren wir wirklich sehr gespannt, was uns wohl erwartet. Ich muss sagen, zeitweise war es kaum zu ertragen, zuzusehen; man fühlte sich auf erschütternde Weise zurückversetzt in eine Zeit, die ich persönlich zum Glück nicht erleben musste. Das lag sicher auch an der schonungslosen Art der Darstellung. Wir haben das Zusammenspiel von Darstellern, Musik und Bühnenbild als hervorragend umgesetzt empfunden. Das Orchester war wie immer ein Ohrenschmaus und die vielen tollen neuen Ideen der Umsetzung (die ich nicht beschreibe, es soll ja spannend bleiben;-) haben überrascht. Wir finden es sehr mutig, dieses Thema so schonungslos anzugehen, und genauso beeindruckt und bewegt sind wir. Auf unsere Empfehlung hin kommen noch einige Bekannte und Freunde zu den nächsten Aufführungen-für uns war es ein herausragender Abend, danke dafür.

Familie Bücker

Sven Schönig aus Hamm
schrieb am 31.10.2016:

Herzlichen Dank für einen eindrucksvollen und nachdenklichen Abend! 

Gerade in der heutigen Zeit, wo das Thema leider wieder aktuell ist, ist das Ensemble über sich hinausgewachsen. Ihr habt auch gesanglich nochmals richtig zugelegt – und dies bei einem doch sehr schwierigen Thema.

Wir durften gestern Abend ein anderes Musical Ensemble erleben und es hat uns hervorragend gefallen.

Es war eine sehr gute Entscheidung auf Ansprachen zu verzichten – auch wenn uns die manchmal markigen und direkten Worte ein wenig fehlten. Da sie aber immer sehr punktgenau formuliert waren, bleiben sie uns einfach aus den vergangenen Jahren in guter Erinnerung. 

Glückwunsch nochmals zu dieser hervorragenden Inszenierung! Wir freuen uns jetzt schon aufs kommende Jahr.

Gabriele Liedmeyer aus Ibbenbüren
schrieb am 29.10.2016:

Was für ein Abend!! 

Ich stehe noch heite unter dem Einfluß der unglaublichen Aufführung von gestern Abend und möchte allen Beteiligten meinen Glückwunsch aussprechen zu dieser faszinierenden Aufführung, die unglaublich professionell, mit tollen Stimmen, beeindruckenden Musikern, einem starken Chor, einer großartigen Inszenierung daherkam…. [… gekürzt …] ….wow…ich war so tief beeindruckt von der gesamten Handlung, dem geschichtlichem Kontext, der dem Gast vso anschaulich nahe gebracht wird, dass mir zum guten Schuß dann doch die Tränen kamen….so wie vielen Anderen auch. Ein Wechselbad der Emotionen…einfach großartig! Ich wünsche dem Ensemble viele bewegte Zuschauer, viel Freude und sie dürfen stolz auf sich sein ( auch meine Tochter an der Geige, die uns alle für das Stück sensibilisiert hat ) …Und für alke die noch unschlüssig sind – hingehen -es lohnt sich!

Imagine This – Presse

Imagine This

2016

Berichte zu „Imagine This“:

Musical-World, Dezember 2016
Deutschlandpremiere von „Imagine This“ des Freien Musical Ensembles Münster

Grenzenlos, 19.11.2016
Hoffnungsstern im Warschauer Ghetto

Münster-Journal, 08.11.2016
Imagine This – Krieg und Co sind allgegenwärtig

Kulturfeder.de, 03.11.2016
Mut zum komplexen Thema: „Imagine this“ in Münster

Westfälische Nachrichten, 30.10.2016
Uraufführung: „Imagine This“ vom Freien Musical Ensemble Münster: Zarte Liebe in schrecklichen Zeiten

Musicalzentrale, 30.10.2016
Imagine This – Vergangenheit spürbar gemacht

Westfälische Nachrichten, 21.10.2016
Musical Ensemble – In der ersten Hauptrolle

Nordwest Zeitung, 20.10.2016
Böseler auf großer Musicalbühne

Westfalen Blog, 19.10.2016
Stell es dir vor

Neue Westfälische, 17.10.2016
Oldendorfer auf Münsteraner Musical-Bühne

Westfälische Nachrichten, 14.10.2016
Grevenerin hat Hauptrolle im Musical „Imagine This“ – Mut, Resignation und Rebellion

Ruhrnachrichten, 10.10.2016
Stück „Imagine This“ – Junge Lünerin steht auf der großen Musical-Bühne

Westfälische Nachrichten, 22.06.2016
Freies Musical-Ensemble arbeitet an „Imagine This“: Ein Stoff – so aktuell wie nie

Video-Beiträge zu „Imagine This“:

MNSTR.TV, 11.10.2016
Imagine This – Freies Musical-Ensemble Münster

Imagine This – Besetzung

Imagine This

2016

Besetzung

Solisten „Unter dayne vayse Shtern“: Noemi Wicher, Rebecca Rieder

Daniel Warshowsky (Eleazar): Christoph Bürgstein

Rebecca Warshowsky (Tamar): Sarah Hartmann

Lea Warshowsky (Miriam): Alina Remmers, Melisa Altay

Sarah (Naomi): Lisa Wenzel

Max (Jeremiah): Matthias Jockheck

Adolph Warshowsky (Ceasar): Carsten Jaehner

Adam (Silva): Sönke Westrup

Otto (Rufus): Ricardo Santos

Lola (Salomé): Katharina Datan

Jan (Aaron): Jonas Buchholz

Izzy (Pompey): Jonathan Kaas

Jacob: Simon Linke

Schlomo: Christian Fürst

Esther: Henrike Schelling

SS-Hauptsturmführer Blick: Melvin Schulz-Menningmann

Hannah Warshowsky: Canan Toksoy

SS-Soldaten: Frank Janßen, Gunnar Friebe, Jonas Hilbert, Lukas Rojahn, Peter Lyko, Vincent Musial

Schauspieler/Bewohner des Ghettos/Bürger von Jerusalem: Alexandra Achterkamp, Ariane Bauer, Kira Bobrowski, Amelie Bürgstein, Marleen Bürgstein, Franziska Eickholt, Hannah Hillermann, Aileen Hölscher, Ivy Kastaun, Katharina Kleber, Judith Krieger, Jutta Lahrmann, Chris Lammert, Mareike Linnemann, Svenja Lobmeyer, Fabian Müller, Philip Nuyken, Lisa Övermöhle, Alexander Rauschenberg, Sonja Roeske, Simona Schmedemann, Hannah Schmillenkamp, Viktoria Schmitz, Vera Schultka, Marie Strock, Andras Strothmann, Katinka Teckhaus, Alicia Tillack, Laura Volk, Christina Walter, Lena Wasmuth, Dana Winkler, Jaqueline Zipfel

Imagine This – Besuch von Shuki Levy

Imagine This

2016

Besuch von Shuki Levy

Seit dem 28. Oktober spielen wir das Musical „Imagine This“ mit der Musik des amerikanisch-israelischen Komponisten Shuki Levy. Uns wird nun eine besondere Ehre zuteil: Levy wird selbst aus den USA anreisen und sich die Vorstellung am 11. November ansehen. Grund für seinen Besuch ist die historische Bedeutsamkeit der Erstaufführung dieses Stückes in Deutschland. 

Bei seinem Besuch wird Shuki Levy nicht nur von seiner Frau Tori, sondern auch von einer zehnköpfigen Delegation aus Kanada und Israel begleitet, darunter Rami Kleinman (Vorsitzender der Albert Einstein Stiftung, Kanada), Yigal Amedi (Vorsitzender des Nationalen Rates für Kunst und Kultur, Israel), Yigal Molad Hayo (Holocaust Stiftung, Israel), Doron Eran (Israelischer Regisseur und Produzent, Israel) und  Eitan Campbell (Leiter des Masada Nationalparks, Israel). Außerdem werden auch Moshe Kepten und Odelia Levi, die Leiter des israelischen Nationaltheaters in Tel Aviv, unter den Gästen sein, da sie „Imagine This“ im Jahr 2017 ebenfalls auf die Bühne bringen wollen.

Sicherheitsmaßnahmen

Selbstverständlich liegt uns das Wohl und die Sicherheit all unserer Gäste in jeder Aufführung am Herzen. Aufgrund der doch sehr außerordentlichen Gästeliste des heutigen Abends sind wir jedoch zusätzlich an gewisse Sicherheitsauflagen gebunden.

Wir bitten an dieser Stelle höflichst um Ihr Verständnis, falls es beim Einlass in das Gebäude oder in den Aufführungssaal zu Verzögerungen kommt. Diese mögen daraus resultieren, dass wir neben einem Blick auf Ihre Eintrittskarte auch einen Blick auf Ihren Personalausweis erbitten oder dass Taschenkontrollen durchgeführt werden. Zudem werden Sie sicher verstehen, dass zur Vorbeugung jeglicher Zwischenfälle die örtliche Polizei auf dem Gelände Präsenz zeigen wird.

Für einen schnelleren Ablauf empfehlen wir, nicht benötigte Taschen und Rucksäcke möglichst zu Hause oder im Auto zu lassen.

Es ist uns ein besonderes Anliegen und wir versuchen unser Möglichstes, dass die speziellen Sicherheitsvorkehrungen den Ablauf des Abends nicht wesentlich beeinträchtigen, und der Abend für alle Besucher ein unvergessliches Ereignis wird. Dennoch sind wir in jedem Fall auf Ihre Nachsicht, Ihr Entgegenkommen und Ihre Mithilfe angewiesen.

Für Ihr Verständnis bedanken wir uns sehr herzlich!

Hintergrund

Für Levy ist die Musik die Sprache der Seele und als Komponist möchte er mit seiner Musik die unzähligen weltweiten Opfer von Gewalt und Verfolgung würdigen und an sie erinnern. Die große Hingabe und das Herzblut, mit denen das Freie Musical-Ensemble sein Stück auf die Bühne bringt, rühren ihn sehr und er ist dankbar, dass die Botschaft seiner Komposition weitergegeben wird.

Levy wurde 1947 in Palästina geboren. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er zunächst als Sänger und trat in verschiedenen Clubs in Tel Aviv auf. In den 1970er Jahren erzielte er im Duett mit Aviva Paz mit dem Song „Signorina – Concertina“ einen europaweiten Hit. In den 1980er Jahren wurde er bekannt für seine Kompositionen für Kinderserien wie Inspector Gadget, MASK, Dragon Quest, He-Man oder She-Ra. Er schrieb außerdem Episoden verschiedener Fernsehsendungen und führte Regie bei mehreren Filmen.

Zurzeit lebt Levy in den USA und entwickelt eine Fernsehserie namens “FuzzBunz”, eine animiertes Pop-Musical für Kinder. Nebenbei ist er auch in weiteren Fernseh- und Filmprojekten involviert. Mit seiner Frau Tori gründete er zudem die Albert Einstein Stiftung und baut momentan ein Einstein-Archiv und -Besucherzentrum in Jerusalem. 

Der Grundstein für „Imagine This“ wurde schon in seiner Kindheit gelegt: Bei seinem ersten Besuch der Masada Gedenkstätte fühlte er eine starke Verbindung zu der Geschichte der Felsenfestung, bei deren Belagerung durch die Römer 960 Juden sich lieber das Leben nahmen als in Gefangenschaft zu leben. Diese Tat machte Masada bis heute zum Symbol des jüdischen Freiheitswillens. Levy kam irgendwann der Gedanke, ein Bühnenstück über die Belagerung in Masada zu verfassen. Autor Glenn Behrenbeim, dem Levy seine Idee und seine Musik vorstellte, lehnte es jedoch zunächst ab, diese Geschichte und insbesondere deren tragisches Ende – dem Massensuizid der Juden – zu Papier zu bringen. Schließlich entschieden sie sich, die Geschichte als Stück-im-Stück in einem Musical über Schauspieler im Warschauer Ghetto einzubetten. „Es ging plötzlich nicht mehr nur um Roben und Sandalen, sondern vielmehr um den metaphorischen Wert der Geschichte“, sagte Behrenbeim in einem Interview der Times. David Goldsmith erkannte die Chance, eine Geschichte von Bedeutung zu inszenieren und schloss sich dem Team an.

„Imagine This“ verdeutlicht durch die parallele Darstellung der Geschehnisse im Warschauer Ghetto und in Masada, dass sich Krieg, Verfolgung, Machtgier und Völkerhass nicht an Jahreszahlen festmachen lassen, sondern in der Geschichte der Menschheit immer wieder auftreten und eigentlich allgegenwärtig sind.

Imagine This – Das Stück

Imagine This

2016

Inhalt

Die Geschichte um Daniel Warshowsky spielt im Jahr 1942 im Warschauer Ghetto. Daniel leitet eine kleine Theatergruppe und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Elend der Menschen im Warschauer Ghetto zu lindern, indem er sie durch Theateraufführungen in eine fremde Welt entführt und sie zumindest für einen kurzen Moment ihr Leid vergessen lässt. Er inszeniert das Theaterstück „Masada“, welches von der Belagerung der Juden durch die Römer um 70 n. Chr. handelt und somit eine Parallele zur Situation im Warschauer Ghetto darstellt.

Unter den Darstellern der Theatergruppe sind auch Daniels Tochter Rebecca und der Widerstandskämpfer Adam. Adam berichtet, dass regelmäßig Menschen aus dem Ghetto mit Zügen in das Vernichtungslager Treblinka gebracht werden. Er ist fest entschlossen, sich den Nazis im Warschauer Ghetto zu widersetzen und will daher zunächst nicht am Theaterstück teilnehmen, sondern lieber kämpfen. Daniel kann ihn jedoch davon überzeugen, dass auch das Theater eine Form des Widerstandes ist, da es die Menschen erfreue, anstatt sie in ihrem Leid allein zu lassen. Auch Rebecca ist zunächst skeptisch hinsichtlich des Theaterstücks, weil man die Menschen durch das Theater nicht vor ihrem Schicksal bewahren könne. Gleichwohl nimmt sie ihrem Vater zur Liebe daran teil.

Die Aufführung wird durch eine Gruppe Nazis unterbrochen, die den Menschen im Publikum verkündet, sie werden am nächsten Morgen mit den Zügen in ein „neues, besseres Leben“ fahren und sollten daher ihre Koffer mit ihren persönlichen Gegenständen bereithalten. Die Nazis bieten Daniel und der Theatergruppe dagegen eine sichere Ausreise in die Schweiz an, wenn sie die Menschen im Ghetto während ihrer Aufführung in Sicherheit wiegen. Es gilt, eine schwierige Entscheidung zu treffen.

Hintergrund

Anfangs wollte der israelische Komponist Shuki Levy ein Bühnenstück über die Belagerung in Masada verfassen. Autor Glenn Behrenbeim, dem Levy seine Idee und seine Musik vorstellte, lehnte es jedoch zunächst ab, diese Geschichte und insbesondere deren tragisches Ende – dem Massensuizid der Juden – zu Papier zu bringen. Schließlich entschieden sie sich, die Geschichte als Stück-im-Stück in einem Musical über Schauspieler im Warschauer Ghetto einzubetten. „Es ging plötzlich nicht mehr nur um Roben und Sandalen, sondern vielmehr um den metaphorischen Wert der Geschichte“, sagte Behrenbeim in einem Interview der Times. David Goldsmith erkannte die Chance, eine Geschichte von Bedeutung zu inszenieren und schloss sich dem Team an.

„Imagine This“ verdeutlicht durch die parallele Darstellung der Geschehnisse im Warschauer Ghetto und in Masada, dass sich Krieg, Verfolgung, Machtgier und Völkerhass nicht an Jahreszahlen festmachen lassen, sondern in der Geschichte der Menschheit immer wieder auftreten und eigentlich allgegenwärtig sind. Durch den anhaltenden Bürgerkrieg in Syrien und die damit verbundene Flüchtlingspolitik ist diese Thematik leider einmal mehr aktuell geworden. Das Stück konfrontiert den Zuschauer mit der Frage, wie ein jeder selbst in einer vergleichbaren Situation reagieren würde: Würde man sich in Zeiten der Belagerung und Unterdrückung dem stärkeren Regime fügen? Würde man fliehen? Oder würde man den Mut aufbringen, um Widerstand zu leisten – selbst wenn dies das eigene Leben kosten könnte?

Stell es dir vor…

Im Bühnenprojekt „Imagine This“ macht sich die zentrale Figur des Daniel Warshowsky die Kraft der Fantasie zunutze, um sein Theaterpublikum im Warschauer Ghetto in eine fremde Welt zu entführen. Er will die Seelen seiner Zuschauer nähren, ihnen einen Weg zeigen, sich an einen besseren Ort zu träumen und sie für einen kurzen Moment den grausamen Alltag im Ghetto vergessen lassen.

Für unser Ensemble galt es, sich mit Hilfe der Fantasie emotional in eine genau gegenteilige Situation zu versetzen. Die meisten von uns mussten sich aus einem zufriedenen und freien Leben und aus einer heilen Welt in ein Leben voller Angst, Elend und Not hineindenken. Einige wenige mussten in die extremen Rollen von SS-Soldaten schlüpfen. Doch wie gelingt es, Armut und Notleiden oder gar Hoffnungslosigkeit auf der Bühne authentisch zu inszenieren, wenn wir doch selbst – zum Glück – noch niemals Krieg oder wirkliches Elend erfahren haben? Wie verkörpert man das Gefühl von Hunger, wenn sich doch jeder problemlos am heimischen Kühlschrank bedienen oder im Supermarkt alles kaufen kann, was das Herz nur begehrt? Wie kann man solch eine Menschenverachtung empfinden, wie sie die Täter des Nationalsozialismus‘ den jüdischen Menschen entgegen gebracht haben?

Stell es dir vor… Aber wie nur?!

Zumindest eines hat unser Ensemble mit dem Ensemble um Daniel Warshowsky gemeinsam: die Liebe zum Theater und zur Musik. Im Warschauer Ghetto spielten Musik und Theater, aber auch Literatur und die bildenden Künste tatsächlich eine große Rolle. Genau wie im Musical „Imagine This“ versuchten die Menschen, sich abzulenken und ihren Alltag hinter sich zu lassen. Durch ein Mitwirken in einer Theatergruppe beispielsweise konnte man sich in andere Welten, andere Personen, andere Zeiten und Emotionen versetzen. Auch beim Spielen eines Instruments oder in der Malerei konnte man sich völlig verlieren und seinem Geist Flügel verleihen. Aber nicht nur die Akteure, sondern auch das Publikum fühlte sich durch das Lauschen von Musik oder literarischen Lesungen, sowie durch das Betrachten von Theaterspielen und Kunst entführt in eine andere, bessere Welt. Tatsächlich gab die Kunst den Menschen Hoffnung und Halt und bestärkte sie in dem Glauben daran, dass es noch schöne Dinge auf der Welt gibt, wenn man seinen Blick nur aufmerksam darauf richtet.

Das Engagement in und das Interesse an künstlerischen Bereichen half den Menschen jedoch nicht nur dabei, emotional aus einem Leben voller Not und Elend zu entfliehen. Oft war der Gang in ein Theater oder der Besuch einer Lesung auch eine räumliche Flucht aus der Enge des eigenen Zuhauses. Immerhin lebten im Ghetto meist zwei Familien, also bis zu zehn Leute in nur einem einzigen Zimmer. Außerdem war es gerade für die Akteure eine Möglichkeit, durch ihre Werke etwas zu hinterlassen, was nach ihrem Tod an sie und an ihr Leben erinnert. Auf diese Weise gaben viele Menschen ihrem Leben trotz aller Armut und Not noch einen Sinn.

Doch nicht jeder konnte sich in Musik und Kunst verwirklichen.

Frau Dr. Kristin Platt vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung der Ruhr-Universität Bochum, die im Rahmen ihrer Forschungen zahlreiche Bewohner des einstigen Warschauer Ghettos getroffen und interviewt hat, teilte ihre eindrucksvollen Erfahrungen über das Leben und über den Alltag im Ghetto mit unserem Ensemble: Geplagt von Hunger, Kälte und dem Wohnen auf engstem Raum kämpfte der Großteil der Bevölkerung des Ghettos Tag für Tag um das nackte Überleben. Wenn es die eigenen Kräfte zuließen, versuchte man, einer Arbeit nachzugehen. Dadurch ergab sich zumindest ein geregelter Tagesablauf und eine kleine Ablenkung von der täglichen Grausamkeit. Außerdem wurden alle Arbeiter von ihren Arbeitgebern mittags mit einer warmen Suppe und einem Stück Brot versorgt. Das Brotstück wurde jedoch von den wenigsten selbst verzehrt, sondern zu ihren Familien nach Hause mitgenommen, um auch diese zu ernähren. Je mehr Personen einer Familie Arbeit hatten, umso größer war die Chance, dass die Familie überlebte. Eltern versuchten sogar, ihre Kinder älter wirken zu lassen, um sie in einer Arbeitsstelle unterzubringen und zumindest regelmäßig mit Nahrung versorgt zu wissen. Wer mit Lebensmitteln versorgt war, konnte sich reich schätzen unter den Bewohnern des Ghettos. Hunger war die größte Sorge der Bevölkerung. Aus Angst vor dem grausamen Tod durch Verhungern nahmen sich manche sogar freiwillig das Leben.

Frau Platt bescherte uns auch einen interessanten und wichtigen Einblick in die Psyche der damaligen Täter des Nazianalsozialismus‘. Sie berichtete, dass den deutschen Soldaten eingebläut wurde, dass es Spaß mache, Juden zu töten. Viele der deutschen Soldaten empfanden das Töten von Juden tatsächlich als Spaß oder gar als eine Art sportliches Vergnügen. Ein gängiger Usus im Ghetto war es beispielsweise, die Juden, welche nach Einbruch der Dunkelheit noch nicht in ihre Wohnungen zurückgekehrt waren, ähnlich einer Treibjagd durch die Straßen des Ghettos zu scheuchen und schlussendlich zu erschießen.

Wenngleich wir wohl niemals werden nachvollziehen können, wie man sich als Bewohner des Ghettos oder auch als Täter des Nazianalsozialismus‘ gefühlt haben muss, so konnte Frau Dr. Platt uns gleichwohl sehr viele Fragen beantworten, was uns die Interpretation unserer Rollen auf der Bühne erleichterte. Auch ein Besuch einer der Thematik entsprechenden Ausstellung in der Villa Ten Hompel in Münster brachte dem Ensemble ein wenig Aufschluss.

Und dennoch blieben so viele Fragen offen.

Wie können wir uns die Gegebenheiten im Warschauer Ghetto vorstellen? Welch bedrohliche Wirkung hatte ein Konzentrationslager?

Mit diesen Fragen reisten Ingo Budweg und Canan Toksoy (künstlerischer Gesamtleiter und Regisseurin des FME) schließlich nach Warschau, um die originalen Spielstätten von „Imagine This“ zu besichtigen. Darüber hinaus diente die Reise dazu, sich noch intensiver mit der Materie des Stücks auseinanderzusetzen und die Thematik in ihrer gesamten Komplexität zu begreifen. 

Zum umfassenden Reisebericht

Und all dies vereinte sich auf unserer Bühne.

Ein besonderes Anliegen des Projekts bestand aber nicht nur darin, die bewegenden Eindrücke und die emotionalen Erfahrungen in eine Inszenierung einfließen zu lassen, um sie an das Publikum weiterzutransportieren. Unser Streben galt auch und ganz besonders dem Ziel, an die schrecklichen, unmenschlichen Taten jener Zeit zu erinnern, der vielen, unschuldig zu Tode gekommenen Menschen zu gedenken, und zu mahnen, dass diese Taten nie wieder geschehen dürfen.

Wissenswertes

Buch: Glenn Berenbeim 
Musik: Shuki Levy
Text: David Goldsmith
Uraufführung: 19. November 2008, New London Theatre, GB
Deutsche Erstaufführung: Freies Musical-Ensemble Münster im Oktober/November 2016
Dauer: ca. 3,5 Stunden + Pause