Friedhelm Wacker
schrieb am 1. Dezember 2009
Liebe Mitglieder im "Freien Musical-Ensemble"!
Ich habe am 14.-XI. Ihre Aufführung "Titanic" gesehen. Sie hat mich tief bewegt. Ganz besonders haben mich an diesem Abend 2 Gesichtspunkte angesprochen.
Das eine war der Tod von 1500 Menschen im eisigen Wasser. Ich war im 2.Weltkrieg Marinesoldat, habe Minen geräumt, Minen entschärft, Schiffsuntergang erlebt. An all das wurde ich erinnert. Auch hier fanden Menschen den Tod. Der Tod, der uns alle betrifft, der jeden von uns trifft. Das große Geheimnis, von dem Joachim Ringelnatz in seinem Gedicht "Was dann?" spricht. Es beginnt: "Wo wird es bleiben, was mit dem letzten Hauch entweicht ..." und es endet "Wie weit wohl Gottes Gnade reicht, uns alles zu vergeben? - Vielleicht? Vielleicht!" Solche Gedanken bewegten mich an diesem Abend.
Das zweite, was mir den Abend so wertvoll machte, war folgendes: Da waren etwa 80 Schauspieler und etwa 50 Musiker und die spielten, die taten nichts als spielen - nur so, nicht für Geld. Aus reiner Freude am Spielen hatten sie Üben, Auswendiglernen, Anweisungen befolgen, Zeit opfern und vieles andere in Kauf genommen - nur um zu spielen. Der große holländische Kulturphilosoph Johan Huizinga hat 1938 ein Buch herausgebracht mit dem Titel "Homo ludens". Er sagt nicht "Homo sapiens", auch nicht "Homo faber", sondern "Homo ludens". Das Spielen ist etwas ganz und gar Menschliches. Da, wo der Mensch spielt, ist er Mensch. Huizinga zitiert Platon: "Der Mensch ist dazu gemacht, ein Spielzeug Gottes zu sein, und das ist wirklich das Beste an ihm. So muss er denn dieser Weise folgend und die schönsten Spiele spielend das Leben leben."
Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie gespielt haben ohne an Gewinn zu denken, und damit etwas zutiefst Menschliches getan haben. Wo einige hundert junge Menschen so etwas tun, da tritt für mich die Angst vor Gewinnsucht, vor Übervorteilen, vor Gewaltanwendung in den Hintergrund.
Danke schön!
Friedhelm Wacker
(Oberstudiendirektor i.R.)
Ich habe am 14.-XI. Ihre Aufführung "Titanic" gesehen. Sie hat mich tief bewegt. Ganz besonders haben mich an diesem Abend 2 Gesichtspunkte angesprochen.
Das eine war der Tod von 1500 Menschen im eisigen Wasser. Ich war im 2.Weltkrieg Marinesoldat, habe Minen geräumt, Minen entschärft, Schiffsuntergang erlebt. An all das wurde ich erinnert. Auch hier fanden Menschen den Tod. Der Tod, der uns alle betrifft, der jeden von uns trifft. Das große Geheimnis, von dem Joachim Ringelnatz in seinem Gedicht "Was dann?" spricht. Es beginnt: "Wo wird es bleiben, was mit dem letzten Hauch entweicht ..." und es endet "Wie weit wohl Gottes Gnade reicht, uns alles zu vergeben? - Vielleicht? Vielleicht!" Solche Gedanken bewegten mich an diesem Abend.
Das zweite, was mir den Abend so wertvoll machte, war folgendes: Da waren etwa 80 Schauspieler und etwa 50 Musiker und die spielten, die taten nichts als spielen - nur so, nicht für Geld. Aus reiner Freude am Spielen hatten sie Üben, Auswendiglernen, Anweisungen befolgen, Zeit opfern und vieles andere in Kauf genommen - nur um zu spielen. Der große holländische Kulturphilosoph Johan Huizinga hat 1938 ein Buch herausgebracht mit dem Titel "Homo ludens". Er sagt nicht "Homo sapiens", auch nicht "Homo faber", sondern "Homo ludens". Das Spielen ist etwas ganz und gar Menschliches. Da, wo der Mensch spielt, ist er Mensch. Huizinga zitiert Platon: "Der Mensch ist dazu gemacht, ein Spielzeug Gottes zu sein, und das ist wirklich das Beste an ihm. So muss er denn dieser Weise folgend und die schönsten Spiele spielend das Leben leben."
Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie gespielt haben ohne an Gewinn zu denken, und damit etwas zutiefst Menschliches getan haben. Wo einige hundert junge Menschen so etwas tun, da tritt für mich die Angst vor Gewinnsucht, vor Übervorteilen, vor Gewaltanwendung in den Hintergrund.
Danke schön!
Friedhelm Wacker
(Oberstudiendirektor i.R.)
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