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Lina schrieb am 16. November 2025
Liebes Ensemble, liebe mitwirkende Menschen hinter den Kulissen, liebe Leitung,
danke für eine wundervolle Inszenierung dieser bedeutungsvollen Schauergeschichte. Ich gehe wieder einmal total berührt aus der Vorstellung.
Ich habe oft darüber nachgedacht, ob Theater, Musik oder Kultur allgemein mehr bewirken kann, als "nur" gesellschaftliche Probleme sichtbar zu machen und ob sich durch eine Kulturveranstaltung tatsächlich (physisch) irgendetwas verändern kann. Immer wieder wird in Musik und Kunst schreckliches thematisiert, aber nicht viele Menschen bewegt es zur Aktion.
Ja, die Ansage von Ingo in der Pause war richtig und wichtig, aber ändert nichts am status quo, es ist traurig, aber leider auch nicht durch ein paar Worte so leicht änderbar: Kultur ist und bleibt Menschen mit höheren Stand in der Gesellschaft zugänglicher, da spielt ja nicht nur das Finanzielle sondern auch die Prägung, die Gewohnheit zu Kulturveranstaltungen zu gehen, eine Rolle. Also ja, darüber, wie Gesellschaft funktioniert, haben wir als Künstler:innen nicht viel Macht, dennoch gibt es einen entscheidenden Punkt, den ihr mit den Vorstellungen verändert: Ich wage es mal, zu behaupten, dass zumindest bei einem Teil des Publikums emotional sehr viel passiert. Für mich persönlich, kann ich nur sagen, dass ihr mich nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern mir auch dabei helft, emotionen zu fühlen. Mir fällt es oft nicht leicht, Emotionen auszudrücken, aber die Musik und das Theater findet einen Weg, die (unangenehmen, verdrängten) Emotionen, die sich in mir verstecken, die sich normalerweise nicht heraus trauen, hervorzurufen und erlauben mir, zu fühlen. Was ich hiermit sagen will: es mag manchmal nicht die physische Veränderung sein, die Kultur anregt und manchmal fragt man sich als Künstler:in, was man denn erreicht hat außer viel Applaus, Komplimente und spenden zu sammeln.
Aber einzelnen menschen im Publikum helft ihr, ob es Gedanken oder Emotionen sind, die ihr mit der Kunst erweckt, sie sind ein grund dafür, dass man weint und lacht und vielleicht ein wenig Freude und Interesse an der Kunst, Welt und Gesellschaft gewinnt. Und auch wenn diese physische Aktivierung oft nicht sichtbar ist (rede mir zumindest als künstlerin ein), kann doch das emotionale hoffentlich etwas im Menschen verändern, was vielleicht mit genügend anderen Anregungen irgendwann dazu führt, dass Gesellschaft sich mehr verändert.
Für mich wird dieser Abend ein grund sein, beim Therapeuten zu sitzen, aber vielleicht auch einmal weniger beim Therapeuten zu sein. Ach ich weiß auch nicht, was ich hier schreibe, aber ihr könnt sehen, ich bin emotional geladen und das halte ich selbst für was positives und danke euch daher sehr für eure kraft, die ihr in dieses Stück investiert habt.
Bitte warten …